Die Melodie kannten die Höhner-Fans schon, den Text nicht. Aus Back home in Derry von der irischen Band Galleon ist die Musik übernommen. Auf den vorwärts drängenden Folkrock-Rhythmus haben die Höhner einen Text (Wie gän wör ich widder en Kölle) gelegt mit Gedanken eines Vaters, dessen Sohn vor der Musterung steht. "Die trommel es ald am wade" singt Peter Werner.
Der Text hat direkt mit den Höhnern zu tun. Drei Söhne aus den Familien der Bandmitglieder stehen im wirklichen Leben kurz vor dem Erwachsenenalter, kurz vor einer möglichen Einberufung. "Wenn ich mir vorstelle, mein Sohn käme - und wenn auch nur für einen Blauhelmeinsatz - in ein Krisengebiet..." lässt Henning Krautmacher die tragweite unausgesprochen.
Das neue Lied hinterliess einen starken Eindruck beim gestrigen Premierenabend von Höhner-Classic, bei dem die nachdenklichen Titel, vielfach von F.M. Willizil gesungen, überwogen. Trotzdem hatte das Publikum wie immer bei den Höhnern auch seinen Spass.
Dafür sorgte schon komiker Stefan Preker im Beiprogramm mit seinen Spässen, und in das Konzept des Abends war auch richtig Juxiges eingebaut. Als Henni und Hanni etwa sangen Krautmacher und Hannes Schöner Hallali und ahoi, und nach der Pause liess sich Schlagzeuger Janus Fröhlich als lebensgrosse Marionette von Preker (auf Stelzen) in die Philharmonie hereinführen, wo Janus Ich ben 'ne kleine Mann sang.
Übrigens protestieren auch die Höhner musikalisch gegen Jacques Chirac. "Dat es en Biesterei vun dä Franzuse", genügte als Andeutung; das Publikum verstand.
Musik von feinsten boten einmal mehr Günter Hässy und seine Junge Sinfonie Köln, diesmal "nur" als Kammerorchester. Die Ehe zwischen Orchester und Band, vor zwei Jahren zum 20. Geburtstag der Höhner gestiftet, ist immer noch sehr frisch und fröhlich, so beim imstrumentalen Wettstreit im Cancan. Zur Abteilung classic trugen diesmal auch Klaus der Geiger bei, der den letzten Satz des Violinkonzerts nr. 3 in G-Dur von Mozart spielte, sowie Wim Mergenbaum der den Flügel bediente.
Schade,dass diesmal keine Fernsehaufzeichnung zustande gekommen ist. So muss wer keine Karten für die Philharmonie bekommen hat, auf die neue CD hoffen die im Spätherbst herauskommen soll. Darauf werden wohl auch die gestern gehörten neuen Perlen wie Molly oder Hallo wie jeiht et? zu finden sein. Beim Publikum in der Philharmonnie fanden sie wie das gesamte gelungene Konzert viel Anklang.
Stefan Volberg 1996
Schon bevor die Höhner bei ihrem diesjährigen Classickonzert in der Philharmoine überhaupt zu sehen waren, applaudisierten die Fans in den Zuschauerrängen. "Wir freuen uns immer sehr auf unseren Auftritt hier im Haus, das ist wirklich etwas besonderes" hatte Sänger Henning Krautmacher kurz vor der Veranstaltung gestanden. In der Philharmonie sind die fünf Publikumslieblinge gern gesehene Gäste. So sind 1997 statt bisher zwei jährlicher Höhner-Abende drei geplant.
"Wir feiern unsere Stadtfreiheit" war das Motto unter dem die Kölsch-Band diesmal durch ein Programm führte, in dem die kleinen Leute ganz gross 'rauskamen. Erinnern wollte die Truppe sie an den Verbundbrief, mit dem die Kölner Handwerker der Stadt vor 600 Jahren erstmals eine demokratische Verfassung gegeben hatten.
Untermalt von wuchtigen Orchesterklang des Kammerorchesters der Jungen Sinfonie Köln, das der langjährige Höhner-Freund Günter Hässy leitet, spielten sie zu "Sieben Tage lang" auf. Und auch sonst wallte der Sound üppig aus den Boxen. Stiller sangen die fünf kölschen Jungs ihre Balladen über den Berber von der Strasse oder den geschlagene Jungen aus dem Nachbarhaus.
Doch trotz der ernsthaften Töne sollte der Spass nicht zu kurz kommen. Immer wieder hatten die Höhner ein bisschen Show zur musikalische Anlage parat. Zur Lortzing-Klängen des Sinfonie-Orchesters lieferten sie einen holländischen Holzschuhtanz im Sitzen, ihren "Fred Astair für Arme".
Zwischendurch gab' Kammermusik, waidmännisches Halali und vorweinachtliches Gloria als Einstimmung auf die neue CD.
Einen Riesenerfolg feierte die A-capella-truppe Wise Guys die die Höhner als Gäste eingeladen hatten. Die sympathisen jungen Musiker, die noch vor nicht all zu lange Zeit zusammen auf dasselbe Gymnasium gingen, bündelten in ihrem mitreissenden Repertoire musikalisches Know-how, raumfüllendes Volumen und viel Spass an der eigenen Sache. "techno gibt es überall, ausser bei 'nem Stromausfall" intonierten sie zwischen dumpf und heftig, allein mit der Power ihrer eigenen Stimmen.
Die kölsche Französin Lydie Auvray brachte als weiterer Gast des Abends ihr erst im Sommer komponiertes Stück für Akkordeon und Orchester zur Aufführung.
Spätens beim Finale waren das Publikum und die Höhner, die an diesem Abend ordentlich in die Saiten und Tasten gegriffen hatten, mal wieder wie eine einzige grosse Kölsche Familie vereint. Gemeinsam stimmten sie ihr Lied an auf Kölle, die Stadt mit "Hätz un Siel". Und alle zweitausend Gäste im Saal, aus denen in nur zwei Stunden eine grosse Freudesgemeinde geworden war, schunkelten dazu.
Margrete Hucht 1996
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