Archiv Höhner-Konzert Balve 10-08-2007

Höhner vermitteln in der Höhle das kölsche Jeföhl

Mundartband aus Köln begeistert im Felsendom über 2.000 Besucher

Über 2000 begeisterte Besucher in einer ausverkauften Höhle, die zweieinhalb Stunden lang so etwas wie sauerländisch-kölschen Karneval im August feierten - mit dem Konzert der Höhner ist den Festspielen Balver Höhle ein absoluter Glücksgriff gelungen. Die Mundartband aus Köln startete am Freitagabend in der Balver Höhle in den zweiten Teil ihrer Deutschlandtournee und zeigte sich gut aufgelegt. Die sechs Musiker vermittelten ihrem Publikum auf Anhieb das Gefühl, an diesem Abend nirgendwo anders lieber aufzutreten als in diesem urigen Konzertsaal unter der Erde. Die Höhner feierten ihre Höhlenpremiere, und Frontmann Henning Krautmacher fand die Atmosphäre in dieser ungewöhnlichen Konzerthalle "einfach geil".

Er machte schnell ein paar Gemeinsamkeiten zwischen der Höhner-Heimat Köln und dem Gastspielort Balve aus: Köln hat den Dom, Balve den Felsendom. Und in (historisch nicht ganz korrekter) Anspielung auf eine Begebenheit aus der Balver Stadtgeschichte: "In Köln wurden die heiligen Drei Könige begraben - aber in Balve waren sie am Abend vorher einen trinken!" Kleine Spässe wie dieser zogen sich durchs ganze Programm. Sehr zum Vergnügen der Besucher, denen damit mehr geboten wurde als eine Aneinanderreihung von Musiktiteln. Obwohl ja die Musik eigentlich im Mittelpunkt stand, und so machten die Sauerländer, so sie nicht ohnehin eingeschworene Höhner-Fans waren, fröhliche Bekanntschaft mit der kölschen Musikkultur.

"Mir maache hück die Naach zom Daach", kündigte die Band an und setzte das dann auch gut zwei Stunden lang in die Tat um. Dabei präsentierten die Höhner nicht nur die auch ausserhalb Kölns bekannten Partykracher mit Erkenntnissen über Echte Fründe, Dicke Mädchen haben schöne Namen oder Viva Colonia, sondern gaben auch den eher leisen Tönen Raum. Geradezu poetisch kam zum Beispiel das Lied Zeiger an der Uhr daher, in dem die Unbeständigkeit des Glücks besungen wird.

Mit ihrer Musik importierten die Höhner auch ein wenig rheinische Leichtigkeit des Seins an die Hönne, was insbesondere in dem Titel Der liebe Gott weiss, dass ich kein Engel bin, zum Ausdruck kam: "Das mit dem Himmel, das kriegen wir schon hin", beschworen Krautmacher und Co. das sorglose Leben im Hier und Jetzt. Nachdem die Gäste noch eine Uraufführung Irgendwann ist jeder mal dran) miterlebt hatten, erfuhren sie, dass Köln mehr als eine Stadt, nämlich "e Jeföhl" ist. Das hatten viele zu diesem Zeitpunkt schon verinnerlicht: Die Höhle war voll von Menschen, die zumindest für einen Abend dieses kölsche Gefühl spürten.

Ganz am Schluss eines mit guter Musik angefüllten, facettenreichen Konzertes gaben die Höhner dem Publikum dann mit Wir werden uns wieder sehen ein musikalisches Versprechen. Viele, die die Höhner-Premiere in der Höhle miterlebt haben, wünschen sich, dass die Kölner dieses Versprechen möglichst bald einlösen werden.

Volker Griese
Westfälischer Anzeiger , den 12. August 2007

Höhner: "Dieser Tag ist in jeder Hinsicht geil!"

Hinschauen und geniessen: Saxofonist Jens Streifling steht im Scheinwerferlicht unter dem atmosphärisch angeleuchteten Felsen der Balver Höhle."Da simmer dabei, dat is prima!" Nicht nur im Kölner Stadion werden Schals geschwenkt, auch in der Balver Höhle.Da passte wirklich niemand mehr rein: Weit über 2.000 Höhner-Fans feierten ausgelassen und dicht an dicht bei tropischen Temperaturen im Balver "Felsendom" mit der Kölner Kult-Band, die auf jeden Fall noch mal wieder kommen will.Der charismatische Sänger Henning Krautmacher unterstrich seine Texte mit ausdrucksstarker Mimik.Über drei Stunden gaben Jens Streifling (Saxofon), Hannes Schöner (Bass) und Ralf Rudnik an der Gitarre Vollgas. Die Besucher dankten ihnen mit frenetischem Applaus.

"Dieser Tag ist in jeder Hinsicht geil!" sagt Henning Krautmacher. Vor wenigen Sekunden stand der Frontsänger der Höhner in der Balver Höhle noch auf der Bühne und hat sich mit dem Handball-WM-Hit Wenn nicht jetzt, wann dann? in die Pause verabschiedet. Deutlich ist der Jubel der rund 2.100 angereisten Fans im Backstage-Bereich noch zu hören. Sie sind begeistert.

"An diesem Konzert müssen sich die weiteren erst einmal messen lassen", freut sich der charismatische Sänger über die Stimmung im "Felsendom". Und als er dann auch noch hört, dass der 1. FC Köln 2:0 gewonnen hat, ist er kaum noch zu halten. Kurz noch einmal durchschnaufen und dann ganz schnell wieder auf die Bühne. "Jetzt geht's los, wir sind nicht mehr aufzuhalten" Und damit hatte Krautmacher den Fans des kölschen Frohsinns nicht zuviel versprochen.

Über drei Stunden rockten die Höhner, was das Zeug hielt und liessen keinen Stimmungshit aus. Von Viva Colonia über Dicke Mädchen haben schöne Namen bis hin zu den etwas ruhigeren Songs, wie Echte Fründe oder Ohne dich geht es nicht - die Höhner-Fans kamen voll und ganz auf ihre Kosten, und die Band liess ihre Herzen höher schlagen. Sogar eine Premiere hatten die kölschen Musiker im Gepäck. "Ich glaube hier in Balve ist der richtige Ort, um unser neues Lied zu spielen!" Gerade hatte Krautmacher es gesagt, da stimmte Schlagzeuger Janus Fröhlich auch schon die ersten Takte an: "Irgendwann, kommt jeder einmal dran"

Es dauerte nicht lange, da sangen die Fans bereits lautstark mit. Debüt absolut gelungen! Das Lied hat höchstes Hitpotenzial. Klar, dass die Fans nach dem Konzert in grosser Zahl erst einmal den CD-Stand aufsuchten. "Die müssen wir haben", war sich etwa ein Trüppchen aus Menden einig. Um möglichst nah an der Bühne zu stehen, waren sie bereits drei Stunden vor Konzertbeginn angereist. Und sie waren nicht die einzigen. Aus dem gesamten Ruhrgebiet strömten die Fans in die Hönnestadt, um beim Auftakt der zweiten Tourneehälfte live dabei zu sein. Schliesslich erlebt man die Höhner zwischen 360 Millionen Jahre alten Felsen nicht alle Tage.

Und auch die Band selbst schien sich in der atmosphärischen Höhle wohl zu fühlen, ja, fast ein wenig heimisch. "Balve und Köln haben ja viele Gemeinsamkeiten: Wir haben den Dom, ihr habt den Felsendom. Wir haben den Rhein, ihr die Hönne." Da kann ja nichts mehr schief gehen. Auch wenn Krautmacher den Unterschied zwischen Stalagmiten und Stalaktiten erst noch lernen muss, eines wusste er ganz genau: "Wir kommen gerne wieder!"

Claudia Heinemann: Text
Westfalenpost, den 12. August 2007

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