Archiv Höhner-Konzert Wettringen 08-09-2007

Kölsche Töne im Münsterland

Für einen Schal ist es entschieden zu warm. Und doch, sie hat ihn um den Hals geschlungen. Gleich zwei. Knallrot. Bei den ersten Tanzschritten kommt die Frau schon ins Schwitzen. Aber sie harrt aus bis zu ihrem Einsatz. Den erkennt sie schon an den ersten Klängen. "Im Opernhaus ist heute wieder Mozart angesagt". Henning Krautmacher schreit ins Mikro. Der Refrain kommt und die Frau in der dritten Reihe schwenkt den Schal hoch über ihrem Kopf: "Ohne dich geht es nicht!", verkündet er.

Der Frontmann der Höhner, markanter Schnäuzer, verschmitztes Grinsen, fährt fort: "Du bist die Nummer eins für mich!" Und 1.500 Zuschauer jubeln ihm zu. Es ist Samstagabend, die Regenwolken halten dicht und die Besucher des Open-Air-Konzertes der Höhner beim Landgasthof Hagenhoff haben noch eine lange Bühnenshow vor sich. Ein Grossevent der Wettringer Bierfreunde, das alle Zuschauer begeistert.

Der Schal ein Fehlgriff im Kleiderschrank? Schliesslich ging es nicht zum Sportplatz, sondern zum Konzert. Trotzdem: Fussball, Handball und die Höhner, das passt zusammen. Zwischendurch hält Krauti den Stand im Nationalspiel um die EM-Qualifikation hoch: 2:0 für Deutschland. Vielleicht gibt es bald auch für die Fussballer einen eigenen Song. Die Handball-Kollegen um Trainer Heiner Brand haben ihr Lied schon bekommen: Wenn nicht jetzt, wann dann?. Neben Viva Colonia ist das vermutlich das bekannteste Stück der Höhner und schaffte es sogar auf den ersten Platz der deutschen Singlecharts. Die Wettringer sind so textsicher, dass Henning Krautmacher das Mikro auch gerne in Richtung der schunkelnden, tanzenden und klatschenden Menge hält. Der Bass dröhnt in den Beinen, die Fans wollen mehr.

Über zweieinhalb Stunden mit mehreren Zugaben steht die Kölner Karnevalsgruppe auf der Bühne und präsentiert vor allem neueren Songs aus den letzten Alben. Kein Wunder, schliesslich sind von den Bandmitgliedern der Gründung im Jahr 1972 nur noch zwei dabei: Schlagzeuger Janus Fröhlich und Peter Werner (Keyboard, Akkordeon). Krautmacher, Ralf Rudnik (Leadgitarre), Hannes Schöner (Bassgitarre, Gesang) und Jens Streifling (Gitarre, Mandoline, Saxophon) stiessen erst später dazu.

Für die Westfalen gibt es ein fast durchweg hochdeutsches Schlager-Programm, zwischendurch auch sehr gitarrenlastig. Das ist selbst für Karnevalsmuffel geeignet, denn die Höhner haben sich angeglichen. Sie singen jetzt Texte wie Dicke Mädchen haben schöne Namen oder Irgendwann,ist jeder einmal dran. Und verlieren mit ihrer Mundart auch das, womit sie einst berühmt wurden. Trotzdem verkneift Krautmacher sich den kölschen Akzent nicht ganz. Das gehört eben dazu. "Wir können Wettringen als nördlichen Stadtteil der Domstadt eingemeinden", ruft der Sänger.

Die ganze Show ist kurzweilig und amüsant. Denn Janus Fröhlich ist nicht nur Schlagzeuger, sondern auch Entertainer und Querulant. Er stimmt an, da simmer dabei und die Zuschauer steigen mit ein. Da kann Chef Krauti noch so sehr mit den Händen gestikulierend für Ruhe sorgen. Fröhlich hat die Wettringer auf seiner Seite. Und wenn der Sänger von den Gästen fordert: Beim nächsten Lied singt ihr im Refrainbereich mit, dann meint Fröhlich: Im Refrainbereich bin ich doch immer so kitzelig.

Irgendwann erscheint der Schlagzeuger als Bayer auf der Bühne. Er spielt den Jodel-Sepp, der im bayrischen Brauhaus fünf Kölsche getroffen hat, die ständig meinten: Dat es ne jode lade he (Das ist ein guter Laden hier). Da dachte sich der Sepp: Mir Bayern fang zu jodeln an, jo des hat richtig Pep. Prompt ertönt die bayrische Bierzeltmusik im Drei-Viertel-Takt. Janus Fröhlich, dem bayrischen Sepp, scheint zu gefallen. Der nächste Fehlgriff bei der Auswahl der Garderobe? Nicht für das Ur-Huhn Fröhlich. Der entledigt sich schnell seines Trachtenhutes und weiter geht's.

Martin Schlak
Münsterländische Volkszeitung, den 09. September 2007

Echten Fründen jeiht et jot

Nach knapp zwei Stunden war es soweit: "Mir jeiht et jot", sangen 2000 Menschen. Und es ging ihnen gut. Den ganzen Abend schon. Sie lagen sich in den Armen, sie schunkelten. Von Anfang an. Denn es dauerte keine Minute, da hatten die Höhner ihr Publikum schon infiziert. Mit guter Laune und Lebensfreude pur.

Das ist es, wofür die Kölner Kultgruppe steht. Seit mehr als drei Jahrzehnten schon. Und genauso war es auch am Samstagabend beim Open-Air-Konzert in Rothenberge auf dem grossen Platz an der Halle Hagenhoff.

Kaum auf der Bühne, brannten die Höhner ein wahres Feuerwerk aus Hits, perfekter Bühnenshow und bärenstarker Musik ab. Da gingen die Hände nicht nur der vielen, vielen weiblichen Fans ("Sind sie nicht süss?") sofort zum Himmel. Da wurde jedes Lied verblüffend textsicher mitgesungen. Da zogen Gute-Laune-Karawanen durch die Reihen. Manche in Trikots des 1. FC Köln. Und dass der Sultan dabei jede Menge "Doosch" hatte, das war sowieso klar.

Das war hier nicht Blootwoosch, Kölsch und e lecker Mädche in Kölle am Rhein, sondern in Wettringen an der Aa, wie der grossartig aufgelegte Höhner-Frontmann Henning Krautmacher schon nach kurzer Zeit selbst ganz begeistert feststellte.

Die Befürchtungen im Vorfeld, das Konzert könnte unter Regen schwer leiden, erwiesen sich als unbegründet. Zwar nieselte es immer wieder mal, und gegen Ende kam es auch heftiger runter. Aber: Die Wettringer Bierfreunde als Veranstalter hatten ein riesiges Fallschirmtuch über dem Publikumsbereich aufspannen lassen. Damit war alles in trockenen Tüchern.

Ohnehin hätte wohl auch der Regen kaum etwas an dieser Stimmung ändern können. Nicht nur bei den bekannten Ohrwürmern wie Viva Colonia, der Höhner-Hymne zur Handball-WM, Wenn nicht jetzt, wann dann? oder Hey, Kölle! Du bes eJöhl wurde derart mitgeschmettert, dass es Gänsehaut pur gab.

Wettringen war an diesem Abend gewissermassen auch Testballon. Denn die Höhner präsentierten ganz neue Lieder, die zuvor noch auf keiner Bühne gebracht wurden: Weltpremiere! Ist am Pool noch Platz für mich? heisst eines davon, und wenn man es schnell mitsingt, kommt am Ende irgendwas zwischen Istanbul und Jodel-Diplom heraus. Die Höhner, kein Zweifel, lieben auch solche Wortspiele. Und das Publikum springt darauf an: innerhalb von Minuten sass der Refrain - Publikumstest bestanden!

Am Ende, nach einer gut zweistündigen mitreissenden Show, gingen die Höhner und ihr Publikum als echte Fründe auseinander. Und Henning Krautmacher hatte noch ein Bonbon parat: "Wenn ihr wollt, kommen wir nächstes Jahr wieder nach Wettringen!" Ein jubelndes Ja war die Antwort. Denn dieses Bonbon wäre eine echte Kamelle, wie sie besser wohl nicht schmecken kann.

Es war so eine Mischung aus Karnevalsstimmung, Fussballstadion-Atmosphäre und geselliger Heiterkeit, was gestern in der Wettringener Orangerie beim Gastspiel der Kölner Kultband Höhner auf ihrer "Viva Colonia 2006-Tour herrschte.

Gerald Meier-Tasche
Münstersche Zeitung, den 10. September 2007

Wenn Sie etwas für dieses Archiv, einen eigenen Beitrag schicken wollen oder dieses Höhner-Fanbuch Wo mir sin is Kölle nicht lesen können wie Sie das erwarten, schreiben oder schicken Sie dies alles an:

Redaktion des Höhner-Fanbuches
"Wo mir sin is Kölle"
Kamp 39-10
NL-8225 HJ Lelystad
Tel.: +31-320-232621
Handy: +31-6-12667266
Email: info@hoehnermusikfan.net

Metadaten dieses Kapitels in Dublin Core und RDF/XML.