Pressearchiv Höhner Rockin' Roncalli Show 2002-2003

Höhner Rockin' Roncalli Show Minsche Tiere Emotionen

Zirkus, nur viel schöner:
Die Höhner Rockin' Roncalli Show

Echte Fründe ston zesamme. Aber müssen sie gleich zusammen Zirkus machen?

Henning: Bei uns passt es einfach. Seit wir vor drei Jahren die Idee zur Höhner Rockin' Roncalli Show hatten, sprudeln die Ideen von selbst

Bernhard: Ob Clownsnummer oder Jonglage: Zu jedem Teil der Show haben wir ruckzuck fünf Lösungen gefunden.

Klingt erschreckend unkompliziert. Werden hier einfach ein paar alte Roncalli-Nummern mit bekannten Höhner-Songs unterlegt?

Henning: Da steckt schon mehr dahinter. Fast jedes der etwa 25 Lieder wird passend zum Artisten umarrangiert. Ausserdem schreiben wir für den Zirkus extra ein paar neue Songs.

Bernhard: Wir stellen uns ständig Fragen, auf die der andere nie gekommen wäre. Das multipliziert die Kreativität. Wir laden damit gegenseiig unsere Batterien. Am Ende wird daraus eine komplett andere Show als vor zwei Jahren.

Was gibt es darin zu sehen?

Henning: Das soll eigentlich eine Überraschung sein...

Bernhard: Nur so viel: Kultclown Peter Schub, der Mann mit der Hundeleine, ist nach sieben Jahren wieder im Roncalli-Programm. Ausserdem haben wir eine Kontorsionistin, eine Schlangenfrau, die sich in einem Riesenchampagner-Glas zu Höhner-Klängen verbiegt.

Können die Höhner eigentlich nur überleben, wenn sie ausserhalb der Karnevalszeit beschäftigungsalternativen wie diese bekommen?

Henning: Auch wenn Sie es nicht glauben: Wir müssen mit der Höhner Rockin' Roncalli Show kein Loch stopfen. Es gibt genügend Marken wie die Höhner-Classickonzerte mit der Jungen Sinfone Köln, die wir in den vergangenen Jahren etabliert haben.

Bernhard: Wir machen es nicht wegen des Geldes. Natürlich sauge ich alles auf und weiss, was Zeitgeist ist, was die Leute sehen wollen. Aber wir hecheln keinem Trend hinterher. D.J. Ötzi und Roncalli wird es nie geben.

Prisma 10, 2002 vom 9. bis 16. März

Proben für die Höhner Rockin' Roncalli Show begonnen - Multikulturelle Begegnung

Musik im Zirkus ist völlig normal. Der Auftritt von Tieren ebenfalls. Wenn es jedoch bei Roncalli mal tierisch zur Sache geht, dann wird es spektakulär und heisst Höhner Rockin' Roncalli Show.

Während sich ein Teil der Kölner noch eine Dosis Osterschlaf genehmigt und genüsslich durch die letzte Tiefschlaf-Phase razt, kommt es auf dem Parkplatz 21 am Messekreisel zu einer multikulturellen Begegnung der artistischen Art. Menschen aus Russland, Schweden, Amerika und Senegal begegnen, begrüssen und beschnuppen sich. Die spürbar lockere Atmosphäre im so genannten VIP-zelt und die eierlastigen Frühstücksplatten können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ostermontag ganz im Zeichen der Arbeit steht.

Punkt zehn Uhr ist alles versammelt was bei der Höhner Rockin' Roncalli Show was zu sagen, zu singen oder darzubieten hat. Lediglich Zirkus-Chef Bernhard Paul wird tags darauf erwartet. Egal. Im Zelt richt es geradezu nach spanninungsvoller Erwartung. Scheinwerfer tauchen die Bühne in küstliches Pink, während Koordinator Thomas Bruchhäuser die in der Manege versammlte Mannschaft begrüsst. Noch het man eine vage Idee, wer wer ist. Doch das ändert sich bald.

Überall stehen Menschen in kleinen Grüppchen zusammen: beratschlagen, besprechen, begutachten. Henning krautmacher bewegt sich an diesem Vormittag wie die Nadel eines Kompass. An allen möglichen Stellen steht er, schaut und peilt die Lage. Der Gesichtsausdrück verheisst fröhliche Zuversicht. Fröhlich ist auch der Schlagzeuger gleichen Namens. Janus spricht in sein Mikrophon, donnert es aus den Lautsprechern. Der Sound scheint okay.

Draussen in der Sonne stehen ein paar Mitglieder der Gruppe Bingo und verbiegen sich übungstechnisch. Ein elfenhaftes Geschöpf hüpft auf den Händen, ein anderer schleudert ein handvoll Jonglierbälle durch die Luft, ein drittes wippt im Takt des Schlagzeuges mit dem Überkörper. Janus Fröhlich strahlt: Die Synergie zwischen diesen ganz unterschiedlichen Disziplinen ist gigantisch und das, was an gegenseitiger Inspiration abläuft, ist toll, schwärmt der Musiker.

Irgendwo erklingt Ich fahr voll auf Dich ab. In der Manege beweisen russische Artistinnen gummiartige Dehnungsfähigkeit. je länger man schaut, umso mehr verstärkt sich der Eindruck, dass der Fuss wohl das dem Ohr am nächsten liegenden Körperteil sein muss. Während die jungen Frauen sämtliche körperlichen Gesetzmässigkeiten ausser kraft zu setzen scheinen, checken die Musiker die Klangfarben ihrer Instrumenten. was jetzt noch als zwei getrennte Bereiche erscheint, wird innerhalb der nächsten Tage zu einer Einheit verschmelzen. Noch kein Anzeichen von Lampenfieber. Die Höhner haben vor zwei Jahren ja bereits vorgeführt, was Rockin' Roncalli heisst.

Jetzt ist man noch ganz damit beschäftigt, nicht nur Rhythmen, sondern auch Liedinhalte und artistische Darbietungen abzustimmen.

Kölner Stadt-Anzeiger, den 2. April 20002

Verdächtiger Glanz in den Augen

Artistischer Akt der Höhner gelang - Nostalgie, Walzertakt und Todesräder

Kumm, halt mich fest! Als die Höhner am Freitagabend die ersten Töne spielten, gerieten Artisten und Zuschauer im Roncalli-Zelt gleichermassen in einer Art Schwebezustand.

Bis kurz vor acht kursiert nur eine Lampenfieber. Wie weggeblasen der Gleichmut und die Gelassenheit der Probentage. Kribbelig bis zur Halskrause nehmen die Höhner ihre Plätze an den Instrumenten ein. Vergessen der Erfahrungswert: Et hätt no immer jot jejange.Herzlich willkommen heisst es dann. Wähend Henning Krautmacher sich singend durchs Publikum in die Manege vortastet, kreisen unter der Kuppel Scheinwerferkugeln in Herzformation. Blizschnell erobert eine kunterbunte truppe den roten Teppich. Im Nu sind Menschen von allen Erdteilen - Kinder wie Erwachsenen - unter dem Zelthimmel versammelt.

Eine Aufwärmphase braucht keiner. Die Band strahlt gewissermassen mit den goldenen Knöpfchen an den Zirkus-Uniformen um die Wette und das Publikum ist von der ersten Sekunde an das was man in Köln "super jot drop" nennt. Synchron zu Kumm halt mich fest durchschwebt das Artisten-Duo Ivan und Graziana Händchen haltend und irgendwie schwerelos den Zirkuskosmos.

Wenig später bemüht sich Henning Krautmacher als "Dompteur" um eine recht starrsinnige Puppe, die er dann mit Hilfe aus dem Publikum zum leben erweckt.

Wechsel zum Walzertakt: Als es die anmutige Jonglierkünstlerin dabei mit ihrer Kugeln auf die Spitze treibt, hat man den Eindruck, dass selbst die Akkordions der Band dahinschmelzen möchten. Auf die Spitze treibt es auch gleich im Anschluss Peter Schub, der beim Publikum partout die Schmerzgrenze der Lachmuskeln herauskitzeln muss. Zum Song Keine Angst, der tut nix führt er zunächst einen imaginären hund Gassi, bevor er sich dann als umwerfender Fotograf versucht.

Im Zelt darf nicht geraucht werden, gleichwohl zünden die feuerzeuge gleich dutzendfach als Minsche wie mir das Zelt erfüllt. Nun erhält Peter Werner seinen Auftritt: wie er noch als erstarrt im Publikum steht, glaubt jeder, jetzt käme die legendäre Weissclown-Nummer. Erst als der Musiker zu singen beginnt, erkennt man den Mann mit der Schminke. Aber das Lied Seifenblose klingt trotzdem so, als gehöre es seit jeher zum Roncalli-Programm.

Eine Mischung aus Rührung und Ergriffenheit übermannt die Zuschauer, als Henning Krautmacher und Hannes Schöner zu Ehren von Kölns ältestem Puppentheater ihr eigenes Konterfei am Fäden durch die Manage führen.
Auch beim Trude-Herr-Song Zeiger an der Uhr bekommt so manches Auge einen verdächtigen Glanz, was der Mann, der im Handstand Schwerstarbeit vollführt, indes nicht erschüttern kann. Nach diesem Nostalgiemoment wird das Publikum erneut mit dem König des Spasses konfrontiert.

Wenn es stimmt dass Künstler Applaus als Reichtum betrachten, dann ist Peter Schub gewiss Millionär. Grandios auch die Musik- und Tanzgruppe aus dem Senegal, die sich wunderbar mit Sansibar vermischt.

Als sich dann noch die "schwedischen Räuber" in den Todesrädern ausgetobt haben, ist Zeit für ein eingreifendes Finale: I'm part of it vereint zum Abschluss noch einmal die Menschen aus aller Welt in einem kleinen Rund und beschliesst eine bejubelte Premiere.

Kölner Stadt-Anzeiger den 6/7 April 2002

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